Kerbverein Habitzheim

Dorfrundgang 2025:
Bauernhöfe im Ort und die Geschichte der Aussiedlerhöfe

Thema des Kerbrundgangs in diesem Jahr waren Bauernhöfe in der Ortsmitte, aktuelle, wie auch die, die vor mehr als 60 Jahren in die Aussiedlerhöfe der Habitzheimer Gemarkung aussiedelten.

Landwirt Michel, Krötengasse 1

Gestartet wurde beim Landwirt Michel in der Krötengasse 1. Nach einer kurzen Einleitung übergab Kerbvadder Marco das Mikrofon an den Seniorchef des Hofes, Georg Michel. Er erzählte den rund 70 Zuhörerinnen und Zuhörern etwas über die Geschichte des Hofes mit dem ältesten noch existierenden Gebäude aus dem Jahr 1919. Heute bewirtschaften Georg und sein Sohn Andreas zwei Höfe. Andreas übernahm vor einigen Jahren einen Aussiedlerhof in der Lengfelder Gemarkung. Er beschrieb anschließend den Alltag eines Landwirts in den 2020er Jahren.

Hansfelder Haus, Krötengasse 28

Weiter ging es zur Krötengasse 28, dem Fachwerkgebäude an der Ecke zum Klinger Weg, genannt Hansfelder Haus. Hier erzählte uns Elfi, die Enkelin von Valentin Müller, der das Haus im Jahr 1912 kaufte, die Geschichte der Aussiedlung.

Über viele Jahrzehnte war der Hof das Zuhause der Familie Müller und später Mayer. Leider wurde er für die neuen landwirtschaftlichen Maschinen zu klein und zu eng. So entschied man sich 1966, den Hof zu verlassen und außerhalb neu zu bauen. Elfi berichtete über die Suche nach einem passenden Grundstück, dann nach Wasser mit der Wünschelrute, den Bau und den Umzug 1968, den Neuanfang und das Leben mit viel mehr Komfort auf dem Sonnenhof. Sie erzählte von der Heuernte, die jedes Mal ein Fest war und über das Gefühl von Freude und Zufriedenheit, wenn die Scheune voll und Heu, Stroh und das Getreide trocken eingebracht waren. Und über den Löschteich, der für Erwachsene und Kinder zum Schwimmbad und zum puren Vergnügen wurde. Über die glückliche Kindheit auf dem Sonnenhof.

Landwirtschaft gibt es heute keine mehr, aber wenigstens Tiere; Pferde, Ziegen, Laufenten. Das Haus und der Hof sind aber immer noch voller Leben, voller Erinnerungen – und voller Geschichten, die man sich bis heute erzählt.

Hofgut Habitzheim

Station Nummer 3 war das Hofgut Habitzheim, wo Robert von Heereman, der den Biobauernhof zusammen mit seiner Frau Johanna bewirtschaftet, bereits wartete. Die Gruppe stand in der Auffahrt zum Hofgut, wo sich einstmals der „Schlossgraben“ befand. Wobei der Begriff „Schloss“ etwas hochtrabend war, es war laut den Worten des Redners eher ein Schlösschen. Der begann seinen Bericht mit dem Dreißigjährigen Krieg, der heute noch nachwirkt: Denn auf der Seite, die die Schweden damals unter Beschuss nahmen, ist die Mauer des Wohngebäudes noch immer drei Meter dick. Neben der Umstellung auf Biolandwirtschaft wandelte sich im Laufe der Jahre auch die Nutzung der Gebäude. Aus Ställen und Scheunen wurden ein Gesundheitszentrum, Wohnungen und Veranstaltungsräume. In zwei Jahren wird das Ensemble um eine Gastronomie erweitert.

Hof Seeger, Haus Hennischrappe, Langgasse 12

Station Nummer 4 war der Hof Seeger, Haus Hennischrappe, in der Langgasse 12. Schon 1939 machte man sich Gedanken, wie man den Hof in der Ortsmitte zukunftsfähig betreiben kann und zog einen Architekten zu Rate. Mit dem Krieg rückten die Pläne jedoch in weite Ferne und erst 1948 wurde mit dem Bau der neuen Ställe begonnen. Zement und Steine gab es nur gegen Tausch – wer Brot mitbrachte, bekam Baumaterial. 1969 kam Erna dazu, ein junges Mädchen aus Oberhessen. Der erste Besuch war ernüchternd: alles alt, alles kalt, keine Zentralheizung. Dennoch heirateten Erna und Richard einige Jahre später. 1975 wurde das Wohnhaus umgebaut. Die Kühe verschwanden irgendwann – aber Schweine gibt es heute noch. Muttersauen und Ferkel. Die stinken nicht, denn in der Ortsmitte sollte es nicht stinken. Erna und Richard erinnern sich gerne an die Zeit, als die Ferkel noch im Ort verkauft wurden. Da kam die alte Hebamme vorbei, schnappte sich zwei Ferkel und stopfte sie in einen Jutesack. So war das damals – persönlich, nah, herzlich.

Schuchmann-Haus, Langgasse 15

Die nächste Station lag in der Langgasse 15, gleich gegenüber, das Schuchmann-Haus.

Nach einigen Jahren Planung zogen 1963 drei Generationen auf den Hof Holderbusch. Urgroßmutter Dorothea, fast 90 Jahre alt, war voller Freude über den Umzug und über mehr Komfort. Es wurde ein Hof voller Leben und Stillstand gab es auf dem Holderbusch Hof eigentlich nie. Immer wurde gebaut oder umgebaut. Zuerst ein neuer Kuhstall, ein Güllestall. Es folgte eine von der Güllegemeinschaft gebaute große Güllegrube. Später dann eine große Halle mit einem modernen Melkstand, der 25 Jahre genutzt wurde. Sie hatte eine offene Seite zum Füttern – auch im Winter blieb sie offen. Die Habitzheimer schauten skeptisch und fragten sich: „Frieren die Kühe da nicht?“

2010 erfolgte die Übergabe des Hofes von Ingrid und Wolfgang an die nächste Generation, der endgültige Ruhestand für die beiden kam 2019, ab da wurde nicht mehr gemolken. Nun gibt es immer mehr Pferde auf dem Hof, es werden Boxen gebaut. Und so schreibt der Holderbusch Hof bis heute seine Geschichte – immer wieder ein bisschen anders, aber stets mit viel Leben und Bewegung.

Haus „Schreunisch, Schulstraße 13

Es ging weiter in die Schulstraße 13, zur letzten Station, zum Haus „Schreunisch“ – der Vater und der Bruder von Opa Wilhelm waren Schreiner, daher der Name.

Elke und Heike, beide hier im Haus geboren, erzählten die Geschichte vom Tannenhof.

Auch bei den Müllers musste man überlegen: weiter Landwirtschaft oder Arbeit außer Haus? Die Entscheidung fiel für die Landwirtschaft. Und schon 1964, draußen lag Schnee, zogen Müllers aus der Ortsmitte hinaus zum Tannenhof, in die Gemarkung „Der Tannenwald“. Der Tannenhof brachte neuen Komfort und die Landwirtschaft wuchs. Gerne erinnern sich Elke und Heike an die Zeiten, als man bei der Ernte Pfefferminztee mit Zitrone im Schatten der großen Strohrollen trank. Unvergesslich bleiben die Erntedankfeste. Mit halben Hähnchen aus der Gastwirtschaft „Wein“ aus Klein-Zimmern, dazu Weißbrot. Noch heute, wenn die Schwestern daran denken, haben sie den Duft der Hähnchen in der Nase. Gefeiert wurde abwechselnd, mal auf dem Tannenhof, mal auf dem benachbarten Fritzehof.

Und wenn im Winter Schnee fiel, dann hängte Fritz den Schlitten an den Traktor. Die Kinder rutschten kreischend und lachend über die verschneiten Wege rund ums Haus. Danach warteten frischer Hefekuchen und heißer Kakao.

Bericht Dorf- und Kulturverein Habitzheim