Am Sonntagmorgen wurde es beim Habitzheimer Kerbgottesdienst nicht nur besinnlich, sondern auch überraschend spielerisch. Die Predigt von Pfarrerin Amélie Sinapius vom Evangelischen Kirchspiel Otzberg, Liturgin Christina Schalle und ihrem Mann Klaus von der katholischen Gemeinde Heilig Geist Otzberger Land rankte sich um das Schachspiel, das man nicht unbedingt mit einem Gottesdienst verbindet. Doch schnell wurde deutlich: Hinter den 64 Feldern und den 32 Figuren steckt eine treffende Metapher für das Zusammenleben in einer Gemeinde.
Drei Figuren, drei Aufgaben – ein gemeinsames Spiel
Zu Beginn des Gottesdienstes stellten sie die Figuren vor, für die sie sich entschieden hatten. Pfarrerin Amélie Sinapius für die Läufer, Liturgin Christina Schalle für die Türme und ihr Mann für die Dame. Und in der Predigt erklärten sie, welche besonderen Möglichkeiten und Aufgaben die ausgewählten Figuren auf dem Schachbrett übernehmen.
Die einen bewegen sich diagonal, die anderen „gerade“, die dritte verbindet die Möglichkeiten beider Figuren und alle können sich über das gesamte Brett bewegen. Doch so unterschiedlich die Figuren des Schachspiels auch sind: Keine von ihnen spielt für sich allein. Jede hat ihre eigenen Möglichkeiten, ihre Aufgaben und ihren Platz im Zusammenspiel mit den anderen. Und genau hier schlug die Predigt die Brücke nach Habitzheim. Denn auch in einer Dorfgemeinschaft gibt es Menschen, Vereine oder Betriebe und Gruppen, die ganz unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Die einen bringen uns zusammen, andere organisieren und wieder andere helfen, wo Unterstützung gebraucht wird. Manche wirken eher im Hintergrund, andere stehen mitten im Geschehen. Manche gehen große Wege und schaffen Verbindungen, andere geben Halt und Stabilität. Und gemeinsam halten sie Traditionen lebendig und sorgen dafür, dass etwas ins Rollen kommt.
Wie beim Schach kommt es dabei nicht darauf an, dass alle dasselbe tun. Entscheidend ist, dass jeder seine eigenen Fähigkeiten einbringt und die Züge der anderen mitdenkt. Gerade darin liegt die Stärke einer Gemeinschaft: Nicht eine einzelne Figur macht das Spiel aus, sondern das Zusammenspiel aller.
Gemeinschaft braucht viele Figuren
Der Habitzheimer Kerbgottesdienst machte damit auf spielerische und zugleich nachdenkliche Weise deutlich, was eine lebendige Gemeinde ausmacht. Vereine, Gruppen, Einrichtungen, Betriebe, engagierte Einzelpersonen, Nachbarschaften und viele Menschen, die einfach anpacken. Und vielleicht lässt sich das Bild des Schachbretts sogar noch ein wenig weiterdenken: Auf dem Brett hat jede Figur ihren Wert – aber erst gemeinsam entsteht ein Spiel. Ebenso braucht auch eine Gemeinde Menschen mit unterschiedlichen Ideen, Fähigkeiten und Aufgaben.
Und manchmal kommen Fremde vorbei und sorgen für ganz außergewöhnliche Bereicherungen – wie in diesem Jahr bei unseren alljährlichen Fotoaufnahmen auf und vor der Treppe zur Kirche. Ein Auto mit fremden Kennzeichen fährt vorbei. Hält wenige Meter später an. Eine Frau steigt auf der Beifahrerseite aus. Läuft zurück und stellt sich zu unseren Kerbborschen und -mädel. Und so schnell, wie sie erschien, verschwand sie wieder, nicht, ohne sich zuvor vielfach für unsere Gastfreundschaft zu bedanken.














